Jusos Potsdam

Bildungsungerechtigkeit bekämpfen: Keine neuen Gymnasien für Potsdam

Bildungsungerechtigkeit bekämpfen: Keine neuen Gymnasien für Potsdam
Als Jugendorganisationen der Rathauskooperations-Parteien sprechen wir, die Grüne Jugend Potsdam, die Potsdamer Linksjugend und die Jusos Potsdam, uns gegen den Bau neuer Gymnasien in der Landeshauptstadt aus. Wir fordern die Rathauskooperation auf, sich an ihren Vertrag zu halten.

Mit einem auf Bildungsgerechtigkeit ausgerichteten Schulentwicklungsplan kann die Stadt Potsdam dem ungerechten dreigliedrigen Schulsystem etwas entgegensetzen. Das gegenwärtige Schulsystem zementiert Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft und ist in seiner Struktur nahezu beispiellos.
Julius Köhler von den Jusos Potsdam erklärt: „Während Deutschland seine Schüler*innen bereits nach der 4. oder. 6. Klasse auf drei Schulformen aufteilt, ist in den meisten anderen Ländern ein über die Pubertät hinausgehendes (längeres) gemeinsames Lernen Bildungsalltag. Ein frühes Aufteilen auf die drei Schulformen wie hierzulande maximiert den Einfluss der finanziellen Stellung des  Elternhauses und reduziert die Bedeutung der tatsächlichen Begabung der Kinder.“
Eine Studie der Mainzer Gutenberg-Universität ergab schon 2007, dass Kinder aus wohlhabenderen Familien häufiger eine Gymnasialempfehlung erhalten als ihre Mitschüler*innen aus ärmeren Haushalten. Die gegenwärtige Bildungslage suggeriert, dass finanzielle Sicherheit und Intelligenz zusammengehören. Dass das falsch ist, sollte auch den Anhänger*innen des dreigliedrigen Schulsystems klar sein.                                                                                                                              Das Team um den Mainzer Soziologen Stefan Hradil fand in einer repräsentativen Forschungsarbeit heraus, dass 81% der Kinder aus finanziell gesicherten Verhältnissen eine Empfehlung zum Besuch des Gymnasiums erhielten, während nur 14% der Kinder aus armen Haushalten diese Schullaufbahnempfehlung ausgesprochen bekamen. Die Schulempfehlungen sind selbst dann von der sozialen Herkunft abhängig, wenn die Schüler*innen gleiche schulische Leistungen erbringen. Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass bei einer Durchschnittsnote von 2.0 nahezu alle Kinder aus reichen Familien eine Empfehlung für das Gymnasium bekamen, während der Anteil bei Kindern aus finanziell schlechter aufgestellten Elternhäusern nur bei 76% liegt.
Dazu erklärt Leo von der Linksjugend: „Diese Ergebnisse sind keine Überraschung. So ergeben Studien immer wieder eine institutionelle Diskriminierung von Kindern aus ärmeren Familien, aber auch Kinder mit Zuwanderungsgeschichte sind von dieser strukturellen Benachteiligung betroffen. Ein solch unfaires Schulsystem ist deshalb grundsätzlich zu hinterfragen.“
Antonia Baumgarten, Sprecherin der Grünen Jugend ergänzt: „Daher ist es für uns als Parteijugenden unbegreiflich, warum die Rathauskooperation von ihrem eigenen im Kooperationsvertrag festgehaltenen Ziel abrückt. Darin steht, dass nur weiterführende Schulen gebaut werden, die alle Schulabschlüsse anbieten. Besonders eine progressive Stadtregierung sollte systemische Benachteiligungen erkennen und verändern wollen. Gymnasien haben sich damit, zurecht, disqualifiziert. Weiterhin wird die Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich sehr knapp ausfallen, was nicht dazu führen darf, dass die AfD hier das Zünglein an der Waage ist.“
Gesamtschule stehen für inklusives und integratives Lernen. Sie sind der Motor für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, die bisher vielen Kindern verwehrt bleibt. Während dadurch zwar noch lange nicht alle Gerechtigkeitsprobleme gelöst sind, hat Potsdam nun die Chance einen ersten Schritt in eine gerechtere Bildungslandschaft zu gehen.